Unsere Ortsgemeinde

Thema: Dorweiler

Kapelle St. Willibrord

Nach Dehio ist die kleine Kapelle ein “gotischer Saalbau mit Strebepfeilern”.[3] Die Kapelle wurde 1569 erstmals urkundlich erwähnt, dürfte aber älter sein. Sie wurde mehrfach renoviert und umgebaut. Der Dachreiter ist aus dem Barock. Die Kapelle ist heute St. Willibrord geweiht, wird aber in alten Dokumenten immer wieder als “Not Gottes”-Kapelle bezeichnet. Das dürfte auf die Figur des “Jesus am Ölberg” um 1460 zurückgehen, die heute außerhalb des Altarraums aufgestellt ist. Über dem Altar ist ein Feldkreuz des 16. od. 17. Jh. angebracht. Weitere Figuren zeigen St. Augustinus und St. Barbara (letztere angeblich aus der Schloßkapelle von Burg Waldeck) sowie St. Katharina. Eine Pietà, die außerhalb des Altarraums steht, wurde um 1900 von einer Baronin von Liebig erworben.

Spätestens ab dem 13. Jh. gehörte Dorweiler und in der Folge die Kapelle der Pfarrei St. Martin in Mannebach an. Es besteht dabei eine enge Verbindung zum späteren Territorium der Herren von Waldeck, das sich wahrscheinlich mit der Pfarrei deckte. Nach der Auflösung der Pfarrei 1808 wurden die Orte Dorweiler und Mannebach nach Beltheim eingepfarrt. Seit Beginn des 20. Jh. gehört Dorweiler zur Pfarrei Dommershausen.

Geschichte von Dorweiler

Die ältesten Zeugnisse einer Besiedlung sind mehrere Grabhügel der Eisenzeit, die sich in den Wäldern südlich und östlich des Ortes erhalten haben. Sie datieren wahrscheinlich in die Hunsrück-Eifel-Kultur.

Aus der Spätlatène- bzw. provinzialrömischen Zeit datieren Grabgärten und Brandgräber, die südöstliche des Ortes ausgegraben wurden bzw. bis heute im Gelände zu erkennen sind. Die zugehörige Siedlung konnte bisher noch nicht lokalisiert werden. [1]

Südlich des heutigen Ortes verlief seit vorgeschichtlicher Zeit ein Weg, der eine der überregionalen Nord-Süd-Routen über die Hunsrückhöhen mit der Mosel verband. Diese Nebentrasse der in romischer Zeit ausgebauten Straßen wird bis heute “Karrenstraße” genannt. Sie wurde angeblich auch noch in der frühen Neuzeit von der Thurn-und-Taxis-Post benutzt und war - nach örtlicher Überlieferung - eine der Nebenstrecken der Poststraße Brüssel–Augsburg. Bei Bauarbeiten im Bereich der alten Straße wurden um 2001 tief in den anstehenden Schiefer eingeschnittene Gleisspuren einer Trasse dieses Verkehrswegs aufgedeckt. Es fand keine wissenschaftliche Untersuchung statt, so dass das Alter der Trasse nicht bekannt ist. Die Befunde wurden durch Neubauten eines Industriebetriebs überbaut.

In den frühen 1950er Jahren wurde bei Feldarbeiten südlich des Ortes und in unmittelbarer Nachbarschaft der oben genannten Straße eine mit Schiefersteinen ausgekleidete und abgedeckte “Grabkammer” entdeckt. Es handelte sich wahrscheinlich um ein Körpergrab der Spätantike oder des frühen Mittelalters, das möglicherweise bereits in früher Zeit beraubt wurde. Nach Angaben aus der Literatur des regional zuständigen Museums soll das Grab ins 6. Jh. n. Chr. datieren. [2]

Die nächsten Zeugnisse des heutigen Ortes stammen aus dem Hoch- und Spätmittelalter und sind eng mit der Geschichte der ritterlichen Herrschaft und Burg Waldeck verbunden, deren Ruinen in der Gemarkung Dorweiler liegen.

Die in vielen Büchern angegebene Ersterwähnung von 1104 bzw. 1147 bezieht sich auf Dorweiler bei Nörvenich. Die erste sichere Erwähnung von Dorweiler (Hunsrück) stammt von 1315.

Ab dem Spätmittelalter bzw. der Frühen Neuzeit lässt sich die Geschichte des Ortes und seiner Einwohner besser nachvollziehen. Der Ort gehörte (spätestens ab dem 16. Jh. - wahrscheinlich bereits früher) gemeinsam mit den Dörfern Mannebach und Korweiler sowie der heutigen Wüstung Hausen zum Herrschaftsbereich der reichsunmittelbaren Ritter von Waldeck (Herrschaft Waldeck) - einem unabhängigen Kleinstterritorium im Rahmen des “Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation”. Trotz dieser Zugehörigkeit galten eine Reihe der Einwohner als “Willibrordskinder”, d. h. als ursprünglich zu einem Lehen der Abtei Sankt Willibrord in Echternach angehörig. Aus dieser doppelten Zugehörigkeit erwuchsen in der Frühen Neuzeit immer wieder Unstimmigkeiten mit den Rittern von Waldeck, die zu Konflikten und Vergleichen führten. Die genauen Besitzverhältnisse und Zuständigkeiten dieser Zeit konnten bisher nicht aufgedeckt werden.

Familiäre Verhältnisse der Einwohner können durch die Kirchenbücher, die seit Beginn des 17. Jh. geführt wurden, nachvollzogen werden.

Burg Waldeck wurde im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekriegs 1689 bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die Herrschaft blieb aber mehr als weitere 100 Jahre bestehen - obwohl die Herren des Territoriums längst in Koblenz lebten. Auf dem ehemaligen Burggelände in Dorweiler wurde Mitte des 18. Jh. ein Schloss errichtet, das als Jagdschloss und Wochenenddomizil diente.

1793/1794 besetzten französische Revolutionstruppen die linksrheinischen Gebiete des damaligen “Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation” und gliederten sie Frankreich an. Im Zuge dieser Besetzung erfolgte die Auflösung aller Herrschaften, die Befreiung der Leibeigenen und später die Einführung einer einheitlichen zivilen Gesetzgebung durch den Code Napoleon (auch: Code Civil). Für wenig mehr als 20 Jahre gehörte Dorweiler und die ganze Region zum französischen Departement Rhin-et-Moselle und partizipierte an den gesellschaftlichen Veränderungen Frankreichs während der napoleonischen Zeit. Im Zuge der Niederlage Napoleons bei Waterloo und des Wiener Kongresses wurde die Region als Teil der sogenannten Rheinprovinz Preußen zugesprochen. Der Code Civil blieb in der Region bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches 1900 weiterhin gültig.